Wednesday, July 01, 2026

Der reichste und größte Nazi-Filmstar lachte über Hitler und verkaufte ihre Moral - Zarah Leander

May 26, 2024 | Noch bevor der Zweite Weltkrieg Europa verschlang, trat eine schwedische Sängerin mit einer tiefen, unverwechselbaren Stimme ins Rampenlicht des national-sozialistischen Kinos — und wurde zu einem der umstrittensten Stars des Dritten Reiches. Zarah Leander, geboren 1907 als Sara Stina Hedberg, entsprach nie dem arischen Idealbild, das die NS-Propaganda so sehr verherrlichte. Doch sie besaß etwas weitaus Wertvolleres: Charisma, Glamour und eine Stimme, die Millionen Menschen in ihren Bann zog. Auf-gewachsen in einer kultivierten schwedischen Familie und seit ihrer Kindheit fließend Deutsch sprechend, entwickelte sich ihre frühe Karriere langsam über Bühnenauftritte, Operetten und skandinavische Filme. Der Durchbruch gelang ihr mit der Operette Die lustige Witwe, und ihr europaweiter Erfolg erregte bald die Aufmerksamkeit der UFA, des staatlich kontrollierten Filmstudios des NS-Staates. 1936 unterzeichnete sie einen lukrativen Vertrag und wurde zum neuen Kinoidol des Regimes — und füllte damit die Lücke, die Marlene Dietrich nach ihrer Flucht nach Hollywood hinterlassen hatte. Auf der Leinwand verkörperte Leander starke, leidenschaftliche Frauenfiguren. Abseits der Kamera erwies sie sich als kluge Verhandlerin, verlangte hohe Gagen, die teilweise in Schweden ausgezahlt wurden, und bestand darauf, ihre Rollen selbst auszuwählen. Joseph Goebbels bezeichnete sie als „schwierig“ — doch ihre Filme zogen Millionen Zuschauer an, und ihre Lieder wurden zu Durchhalte-Hymnen der Kriegsjahre. Ihr größter Erfolg, Die große Liebe (1942), wurde der erfolgreichste Film des nationalsozialistischen Deutschlands, dessen Einnahmen direkt in die Kriegswirtschaft flossen.

Doch Leander war keine überzeugte Nationalsozialistin. Sie mied Parteiveranstaltungen, verspottete ranghohe Funktionäre und nahm sogar ein jiddisches Lied auf, das in Deutschland überraschend populär wurde. 1943, als sie den Zusammenbruch des Regimes kommen sah, löste sie ihre Verträge mit der UFA und floh zurück nach Schweden. Nach dem Krieg setzte sie ihre Karriere fort, erreichte jedoch nie wieder den Ruhm der Vorkriegszeit. Vorwürfe der Kollaboration begleiteten sie jahrzehntelang, auch wenn sie stets darauf beharrte, lediglich Künstlerin und keine Propagandistin gewesen zu sein. Zarah Leander starb 1981 und hinterließ ein Vermächtnis von großer Ambivalenz — eine Legende, geprägt von Ehrgeiz, Anpassung und Überleben, und eine Stimme, die für immer mit dem Deutschland Hitlers verbunden bleibt.