BERLINER ZEITUNG: Warum die westlichen Analysen zu Venezuela zu kurz greifen – und was Trump wirklich will. Eine Analyse und eine Warnung an Europa.
Die Bilder gingen um die Welt: Mehr als 150 US-Kampfflugzeuge im venezolanischen Luftraum, Delta-Force-Kommandos, die den Präsidenten eines souveränen Staates aus seinem Schlafzimmer zerren, ein Staatsoberhaupt in Handschellen auf dem Weg nach Brooklyn. Was in der Nacht zum 3. Januar 2026 geschah, war keine Polizeiaktion. Es war der Auftakt zu etwas Größerem.
Doch viele westliche Beobachter scheinen die Dimension der aktuellen Ereignisse nicht zu begreifen.
Die bequeme These
In den Tagen nach der Operation dominierten zwei Erklärungen die Analyse-Spalten: Erstens sei dies eine reine Machtdemonstration gewesen, ein Signal an die Welt, dass Donald Trump handelt, wo andere reden. Zweitens gehe es um Öl – Venezuela besitzt die größten nachgewiesenen Reserven der Welt, und US-amerikanische Konzerne stehen bereit.
Beides stimmt. Und beides greift viel zu kurz.
Denn wer nur auf die Oberfläche schaut, übersieht die tektonischen Verschiebungen darunter. Die Frage ist nicht, ob Trump Stärke zeigen wollte. Die Frage ist: Wozu? » | Harald Neuber | Dienstag, 27. Januar 2026
Die Ereignisse der jüngsten Zeit hätten uns Europäern beweisen müssen, dass Amerika als Verbündeter nicht mehr vertrauenswürdig ist. Trump hat dieses Vertrauen zerstört. Wer das nicht erkennt, ist entweder blind oder realitätsfremd.
Daher ist es für die Europäer unerlässlich, ihre Verteidigungsstrategie dringend zu ändern. Europa muss aufrüsten. Und zwar schnell. Ungeachtet der Kosten. Es besteht ein dringender Bedarf an militärischer Rekrutierung, militärischer Ausrüstung und einer grundlegend überarbeiteten Militärstrategie. Darüber hinaus ist es unerlässlich, dass alle Europäer für das gemeinsame Ziel – die Selbstverteidigung – an einem Strang ziehen.
Amerika ist nicht nur kein verlässlicher Verbündeter mehr, sondern es gibt viele Kräfte, die die Europäische Union zerstören wollen, Trump eingeschlossen. Der einzige Weg, dieser Bedrohung zu begegnen, ist Stärke und Entschlossenheit. — © Mark Alexander