BERLINER ZEITUNG: Im Globalen Süden wird genau beobachtet, wie Europa reagiert. Nach der Maduro-Festnahme wirkt die EU zerrissen, defensiv und politisch entkernt.
Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch amerikanische Spezialkräfte hat die Europäische Union kalt erwischt. Während Washington mit militärischer Entschlossenheit „in seinem Hinterhof“ Fakten schafft, herrscht in Brüssel am Tag danach vor allem eines: strategische Orientierungslosigkeit. Die neue amerikanische Sicherheitsstrategie trifft die EU nun besonders ins Mark.
Offiziell reagiert Brüssel mit üblichen diplomatischen Floskeln. Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas erklärt, man habe Maduros Legitimität seit 2021 nie anerkannt und setze auf einen „friedlichen Übergang“. Zugleich mahnt die Estin, die innerhalb der US-Regierung praktisch keine Verbündeten hat, zu Zurückhaltung sowie zur Einhaltung des Völkerrechts. Es ist die altbekannte europäische Doppelbotschaft, die vor allem eines verrät: Unsicherheit. » | Nicolas Butylin | Sonntag 4 Januar 2026