Monday, January 09, 2023

Der Prinz, der seine Familie verkauft

NEUE ZÜRCHER ZEITUNG: Prinz Harrys Kampf um Aufmerksamkeit geht weiter. Sein Buch ist ihm offenbar nicht genug, auch in Interviews seziert er die britischen Royals und sieht sich ausschliesslich in der Opferrolle. In Grossbritannien glaubt ihm kaum jemand, Harry hofft auf mehr Gehör in den USA.

Prinz Harry (2. v. r.) und Prinz William an der Seite ihrer Gemahlinnen. Die Aufnahme entstand wenige Tage nach dem Tod von Queen Elizabeth II. (10. September 2022). | Imago

«Ich liebe mein Land und meine Familie», sagte Prinz Harry am Sonntag in einem Interview mit Tom Bradby auf dem englischen TV-Kanal ITV. Der Prinz war angetreten, sein Buch «Reserve» zu bewerben. Wie inzwischen alle Welt weiss, ist das Buch alles andere als ein Dokument der Familienliebe. Harry gibt darin Wort für Wort sehr persönliche Momente, explosive Gespräche und Streitereien wieder, ebenso wie Familienrituale (sie schworen, wenn es ernst wurde, «auf Mummys Leben») und Kosenamen (er und sein Bruder nannten sich Willy und Harold, der Vater adressierte sie als seine «Darling Boys»).

Er breche in das Privatleben seiner Nächsten und Liebsten ein, gab selbst der wohlmeinende Interviewer Tom Bradby zu bedenken, den Harry seit zwanzig Jahren kennt. Nach der Lektüre habe er, Bradby, sich erst einmal hinlegen müssen. » | Marion Löhndorf | Montag, 9. Januar 2023

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